Institutionenethik

Patricia Werhane
Persons, Rights, and Corporations
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Parlamentarische Verwaltungskontrollstelle
Ethik im öffentlichen Dienst
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Public Management 5/2003
Führungsethik (in der öffentlichen Verwaltung)
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Christoph Hubig, Institut für Philosophie, Universität Stuttgart
Modellierung institutionellen Handelns
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INSTITUTIONENETHIK UND INDIVIDUALETHIK

 

Wie kann zwischen Institutionenethik und Individualethik unterschieden werden?

 

Der Philosoph John Rawls hat im Bezug auf Institutionen folgendes gesagt:

 

„Die Gerechtigkeit ist die erste Tugend sozialer Institutionen, so wie die Wahrheit bei Gedankensystemen." John Rawls, Eine Theorie der Gerechtigkeit, Kap1.

 

Rawls bezieht damit den Grundsatz der Gerechtigkeit auf Institutionen, nicht auf Individuen.

 

Die Theorie von Rawls kennt zwei Grundprinzipien der Gerechtigkeit:

Jedermann hat gleiches Recht auf das umfangreichste Gesamtsystem gleicher Grundfreiheiten, das für alle möglich ist;

Soziale und wirtschaftliche Ungleichheiten müssen folgendermassen beschaffen sein:

Sie müssen unter der Einschränkung des gerechten Spargrundsatzes den am wenigsten Begünstigten den grösstmöglichen Vorteil bringen, und

Sie müssen mit Ämtern und Positionen verbunden sein, die allen gemäss fairer Chancengleichheit offen stehen.

Gegen die Theorie von John Rawls wird eingewendet, dass Prinzipien der Gerechtigkeit sich auch auf die individuellen Haltungen und Einstellungen erstrecken müssen.

 

INSTITUTIONEN

Institutionen

Sind öffentliche Regelsysteme. Die Regeln definieren, was getan und was unterlassen werden sollte. Institutionen als abstrakte Gegenstände werden durch die Befolgung ihrer Regeln und Pläne und eine gemeinsames Handlungsschema Wirklichkeit. Ohne Regeln gibt es keine Institution (Unternehmen, Behörden, Vereine, Genossenschaften).

 

Durch die Institutionenethik wird das moralische Verhalten vom Individuum auf einen andere und weiterreichende Ebene wichtig. Die Gestaltung und die Erneuerung von Institutionen haben weit reichende moralische Auswirkungen. Die institutionelle Regelungen formen und normieren auch individuelles Verhalten (Sozialisationseffekte durch Rechtssystem und staatliche Institutionen). Die Verantwortung verlagert sich auf eine andere, „überindividuelle" Ebene. Die Rechtfertigung von institutioneller Organisation und Autorität erfolgt über die im Eigeninteresse der Individuen liegende Zustimmung zu diesen Institutionen.

Kritik

 

Die empirischen Annahmen über die Menschen sind verfehlt. Menschen sind nicht nur egoistischen Interessen verhaftet, ihre Interessen können sich inhaltlich auch auf das Wohlergehen anderer (Kinder, Familie, Freunde, Bedürftige) richten.

Rationales Handeln nur als Handeln mit dem Ziel der Maximierung des eigenen Vorteiles zu verstehen, führt in rationale Paradoxien.

ANSÄTZE EINES METHODOLOGISCHEN KOLLEKTIVISMUS

Kollektives Handeln:

wenn mehrere Individuen eine gemeinsame Anstrengung machen, um ein bestimmtes Ergebnis zu erzielen. (z.B.: Bauern, die gemeinsam ein Gebiet bewirtschaften; Angestellte eines Betriebes, die sich für eine effektivere, aber auch arbeitsfreundlichere Änderung der Produktionsabläufe einsetzen; Studenten, die gemeinsam auf die Absetzung einer Bildungsministerin hinarbeiten).

Kollektive Intentionalität   

gemeinsame Absichten mehrer Akteure. Die kollektive Intentionalität von Gruppen von Menschen setzt institutionelle Fakten (z.B. dass 2 Personen heiraten, dass ein Vertrag gemacht wird, Eigentumsverträge, Bank- und Handelsgeschäfte etc.)

 

Kollektive Akteure

Handelnde, die ein gemeinsames Ziel haben und gemeinsame Absichten zur Realisierung dieses Ziels.

Kollektives Handlungsproblem

dies beschreibt Situationen, wo jedes Mitglied der Gruppe stärker von einer Haltung des Trittbrettfahrers profitiert, als wenn es aktiv zu dem von der Gruppe angestrebten Ergebnis (z.B. öffentliche Güter) beiträgt. Wenn alle rein selbstinteressiert handeln, sind alle schlechter dran, weil gar kein Gut produziert wird. (Version eines Gefangenendilemmas).

Anreizsysteme von Institutionen

Belohnung, Beförderung, Erhöhung des sozialen Status, Identifikationsmöglichkeiten; die Ausnützung der Institutionen wird dadurch vermindert und die Mitgestaltung und Mitverantwortung gefördert.

Begründung des kollektiven Handelns

Kollektives Handeln ermöglicht bessere Ergebnisse, höhere Kommunikations- und Informationsdichte. Es ermöglicht soziales Bewusstsein und soziale Kompetenz, schützt vor den Verlusten individueller Isolation und fördert ein ausgewogenes gesellschaftliches Zusammenleben.

Kritik des methodologischen Kollektivismus

Kollektives Verhalten nach Anreizsystemen kann sozial dressiertes Verhalten sein. Selektive Anreizsysteme kommen nur den Gruppenmitgliedern zugute; die Anreize müssen einen Profit für die Mitglieder beinhalten - somit aber verschiebt sich die Motivation auf das Erlangen des privaten Gutes im Sinne des Profits; das Engagement für das öffentliche Gut reicht nicht über den privaten Gewinn hinaus; ehrlicher also wäre es, sich auf den Individualismus zu berufen und zu beschränken.

 

Verantwortung und Schuld

Verantwortung

Verantwortung bedeutet, für die Folgen eigener Handlungen einzustehen. Das Individuum ist verpflichtet, den aus den Konsequenzen des eigenen Handelns resultierenden Ansprüchen anderer gerecht zu werden.

 

Schuld

Drei Komponenten der Schuld:

Schaden oder Verletzung,

schuldhafter Akteur,

kausale Verbindung zwischen dem Tun des Akteurs und dem Schaden.

 

Schuldhaftes Handeln ist meist mit Intention oder Absicht verbunden. Im Fall von gravierenden negativen Konsequenzen für andere wird eine bestimmte kompensierende Haltung auf Seiten des Akteurs, nämlich Bedauern oder Reue verlangt.

 

 

Moralische Verantwortung

Die moralische Verantwortung ist mit einem moralischen Grundsatz oder Prinzip verknüpft. Dieses Prinzip definiert, warum man für die Folgen einzustehen hat und diese gegebenenfalls wieder gutzumachen hat. (Prinzip der Schadensvermeidung, Prinzip, die moralischen Rechte anderer nicht zu verletzen). Moralische Verantwortung ist verbunden mit spezifischen reaktiven Haltungen anderer (Ressentiment, Ärger, Indigniertheit). Verantwortung setzt „Willensfreiheit" voraus: die Person „hätte anders handeln können"; nicht verträglich mit einem radikalen Determinismus.

Institutionelle Verantwortung

Schaden, kausale Verbindung zwischen Tun und Lassen der Institution und dem entstandenen Schaden, Schuld? (möglicherweise fehlende Absicht).

Verantwortung - die Verantwortlichen hätten anders handeln können und nach den Gegebenheiten müssen, um Schaden abzuwenden.